Verwundbarkeit - etwas vorüber wir nicht oft reden....

Die folgenden Themen kommen in letzter Zeit recht häufig in meinen Coaching Sessions auf:

  • Schuld oder Schamgefühle
  • Die Wichtigkeit der Meinung anderer und vor allem
  • Keine Schwächen zu zeigen

Jeder einzelne dieser drei Themen hält Menschen ab, die/der Beste zu sein, die diese sein können. Schauen wir uns die unterliegenden Motivationen dazu an.  Dies kann uns einen Blick darauf geben, wer wir wären, ohne an diesen drei Aspekten festzuhalten.

Überlegen Sie sich eine Situation in Ihrem Leben, die, wenn Sie jetzt daran denken, ein Gefühl der Scham oder der Schuld in Ihnen auslöste. Vielleicht ist es eine Situation, wo jemand eine Erwartungshaltung darüber hatte, wie Sie sich auf eine bestimmte Art verhalten sollten.  Als die Situation dann kam, verhielten Sie sich jedoch absolut daneben. Das Ergebnis davon war, dass Sie sich danach schuldig fühlten, weil diese Menschen nun schlecht über Sie denken. Nach außen zeigen wir natürlich Bravour – „ach, das ist doch egal, was andere denken..“ – wirklich, ist das so?

Einem meiner Klienten passierte dies: Er ging zu einer Firmenfeier und anstatt den Erwartungen, ernst und erwachsen zu erscheinen gerecht zu werden, entschied er sich an diesem Tag am Karaoke und dem ausgelassenen Tanzen teilzunehmen.

Ein weiteres Beispiel, indem jemand freudig und mit Leidenschaft mitteilte, wie attraktiv er seine neue Chefin findet ohne wahrzunehmen, daβ diese hinter ihm stand. Eigentlich wollte er seine Bewunderung über ihren Führungsstil ausdrücken. Es kam dann unglücklicher Weise nur im Moment anders raus. Ein anderes Mal passierte in einem Kundenmeeting eine Unterhaltung indem meine Klientin den Kunden nicht folgen konnte. Sie verstand einfach nicht wovon der Kunde sprach, war aber nicht in der Lage dies dem Kunden zu sagen. 

Was kommt von Ihren eigenen Erfahrungen hoch? Können Sie sich daran erinnern wie Sie damals damit umgingen? Wenn es Ihnen so wie den meisten von uns geht, dann haben Sie wahrscheinlich so darauf reagiert als ob nichts passiert wäre und sind ganz einfach zum Tagesgeschäft übergegangen, richtig? Die Ursache dieses Verhaltens liegt daran, dass Schuld oder Schamgefühl von Angst gestützt ist. Genauer genommen ist es eine Angst der Bloßstellung. Wir alle wollten dazu gehören, wie immer dies auch individuell aussieht. Daher können wir nun erkennen, warum das Paradox was andere über uns denken so wichtig für uns ist: wir wollen dazu gehören und dazu passen. Was passiert dann, wenn wir als kompetent, stark und gefasst gesehen werden wollen? Als jemand der mit Wissen Autorität, Kompetenz und Charisma beeindruckt?

Wir leben allem voraus in einer Gesellschaft die nach immer mehr strebt, in der der Selbstwert meist von außen bestimmt wird, also von dem was andere über uns denken.  Daher streben wir nach mehr als wir gerade erreicht haben, mehr als wir soeben entdeckt oder erfunden haben, mehr als wir gerade gekauft, verdient oder geliebt haben. So kommt es zum besseren Auto, zum größeren Haus, intensiveren, besseren Partnerschaft, Schönheit, Jugend, Job, Geld, Kleider oder Schmuck, Anlagen, mehr und bessere Urlaube… mehr von allem, größer und besser!! Und schon geht’s los, rein ins Hamsterrad, in welchem keine Schwächen toleriert werden und der Fokus stets auf dem liegt was wir noch nicht haben.

Perfektionismus und Ergebnisse werden unsere Grundsätze bis wir alles haben. Allerdings…passen wir jetzt dazu? ...und mit welchem Sinn?  Was nun?

Beispiele, die wir oft hören sind:

Jetzt habe ich mein cooles neues Auto, mein großes Haus, Designer Outfit, Master Title, neue Position mit Titel, usw… aber trotzdem fühle ich mich leer und das Gefühl noch immer nicht respektiert zu werden.

  • Oder: Ich habe keine Macht weil er/sie der Boss ist
  • Oder: Ich stimme nicht überein, aber es ist nicht meine Baustelle hier etwas zu sagen.
  • Oder: Wenn ich zugebe, dass ich einen Fehler gemacht habe, falsch lag, nicht Recht hatte, denkst sie/er ich bin ein inkompetenter Schwachkopf. 

Alles das, was für uns in diesen obigen Beispielen für wichtig erscheint, kommt von außerhalb anstatt von uns selbst. Es ist eine externe Zufriedenstellung, die es erfordert zu reagieren wie die andern es wollen. Man könnte es mit einer Maske, die man ständig trägt vergleichen. Wie erschöpfend muss das doch sein?! Was meinen Sie?

Probieren wir nun doch etwas aus. Stellen Sie sich für einen Moment vor, was passieren würde, wenn Sie dies wären und nun all diese externen Zufriedenstellungen loslassen. Wie würden Sie sich dabei fühlen? Wer wären Sie ohne diese? Würden Sie sich ohne ebenso machtvoll und stark fühlen, wie mit diesen externen Zufriedenstellungen, oder ist das Gegenteil für Sie wahr und sie fühlen sich sehr verloren? Wo liegt dabei Ihr Selbstwert?     

Plötzlich erfahren wir eine hohe Verwundbarkeit und wissen nicht, wie wir aus dem Hamsterrad wieder rauskommen, welches laut Studien (Brené Brown, Blinkist, Verwundbarkeit) unser eigenes Engagement und auch das anderer um uns sowie deren Beziehungen hemmt, Möglichkeiten versteckt, Kreativität und Innovation sowie Leistung behindert. Was wäre, wenn wir dieses Gefühl der Verwundbarkeit einfach annehmen und deren Existenz akzeptieren? Natürlich gibt es hier ein Risiko, denn wir sind nicht in der Lage über die Verwundbarkeit hinweg zu kommen, wie wir es mit anderen Dingen tun. Wir können sie einzig und alleine betäuben, also verstecken, so wie wir es in den Beispielen oben gesehen haben. Diese Betäubung spiegelt sich dann bei uns z.B. als Perfektionismus und dem Drang anderer Wünsche zu befriedigen wieder.

Nun indem wir Verwundbarkeit annehmen, kreieren wir Selbstwert und Charisma und sind dadurch in der Lage starke Beziehungen zu formen, Raum für Kreativität, Innovation und verbesserte Leistung zu schaffen.

Dazu ist es hilfreich die folgenden vier Verhaltensweisen in unseren Alltag zu integrieren:

  1. Gefühle von Schuld und Scham offen zu verbalisieren
  2. Erkennen wann diese Gefühle durch die Erwartungen oder Urteile anderer ausgelöst werden.
  3. Sich selbst zu kennen und verstehen, wo die eigenen Grenzen sind und was für Sie wichtig ist.
  4. Entwickeln Sie Mitgefühl für sich selbst und entdecken Sie Ihren Selbstwert.

Diese Verhaltensweisen regelmäßig zu üben erlaubt mit der Zeit mit dem was das Leben uns beschert zufrieden zu werden und auch wie und wer wir selbst im Inneren sind. Es bedarf unglaubliche Courage sich verwundbar zu machen, aber die Vergütung dafür ist außerordentlich wertvoll und erfüllend. 

Stellen Sie sich nun vor, wie anders das Leben für Sie wäre, wenn sie sich einzig nur in Ihrer persönlichen Beziehung verwundbar machen würden.  Was verändert sich dabei?  Sind Sie bereit es auszuprobieren?

Ich kann diese Art des Lebens nur empfehlen und durfte erfahren, wie sich persönliche und professionelle Beziehungen dadurch in eine vertrauenswürdige Verbindung entwickeln, die jegliche Unsicherheit und Veränderung standhält. Das Leben aller Beteiligten erfährt durch diese Kongruenz und Sinnhaftigkeit eine massive Bereicherung auf den verschiedenen Entwicklungsgebieten und dem Innovationspotential.  Ein sehr spannendes Konzept mit dem ich Ihnen ganz viel Erfolg wünsche.

 

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